Wenn der Schlaf fehlt

Klima, Krankheit, Stress: Jeder zweite Schleswig-Holsteiner hat Schlafprobleme

Kiel. Andrea S. schläft schlecht. Und wenn, findet die 40-jährige Büroangestellte nachts kaum Erholung: Sie wacht müde und erschöpft auf. So geht es tagsüber weiter – Beruf und Kinder zerren an ihren Nerven. Dann kommt noch ein Konflikt mit ihrem Mann hinzu. Ein Teufelskreis: Andrea ist ständig erschöpfter, die Probleme türmen sich auf. Im Bett liegt sie wach und grübelt, warum sie nicht einschläft. Sie muss doch morgen leistungsfähig sein im Job!

Statt zu grübeln lieber aufstehen

Schlafstörungen im Norden nehmen zu Name und Fall von Andrea S. sind erfunden. Sie sollen veranschaulichen, in welcher Situation sich Patienten mit ihren Problemen an Experten wenden: „Das Grübeln hält einen wach, Einschlafen funktioniert in dem Fall häufig nicht“, sagt der Kieler Schlafmediziner Robert Göder. „Wir empfehlen, lieber aufzustehen, den Schlafraum zu verlassen und 30 bis 60 Minuten zu warten – dann kommt die Müdigkeit wieder.“

Jeder Zweite im Norden hat Schlafprobleme

Professor Robert Göder im Schlaflabor des UKSH Kiel. Foto: Nortex

Der Professor, Facharzt für Psychiatrie und Schlafforscher leitet das Schlaflabor der Uniklinik Kiel. Er weiß, wie es aktuell um den Schlaf der Deutschen bestellt ist: Bundesweit haben bis zu 80 Prozent der Bürger Probleme mit der Nachtruhe. „Die Schleswig-Holsteiner schlafen etwas besser als der Durchschnitt“, sagt er. Doch auch im Norden habe „mehr als die Hälfte öfters Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen“.

Pandemie beeinflusst Schlafverhalten

Während des Coronabedingten Lockdowns habe sich das noch verschärft: Weil viele Menschen zuhause blieben, geriet der natürliche Hell-Dunkel-Rhythmus durcheinander, nach dem das Gehirn Schlaf- und Wachzeiten richtet. „Das stört den Schlaf.“

Vor allem Frauen von Insomnie betroffen

Davon grenzen sich jedoch Schlafstörungen als medizinische Erkrankungen ab – sie treten regelmäßig auf, fühlen sich schon morgens völlig kraftlos. Betroffen sind Menschen nahezu jeden Alters. In der Mehrzahl erkranken Frauen daran, erläutert der Professor. „Etwa acht Prozent aller Schleswig-Holsteiner leiden an dieser Krankheit“, so Göder. Tendenz steigend: Allein im Zeitraum von 2009 bis 2016 stieg die Zahl der Fälle um rund 25 Prozent.

Hilfe möglich im Schlaflabor

Im Schlaflabor können die Ursachen von Schlafstörungen untersucht werden. Foto: Nortex

Sein Rat: Treten die Schlafstörungen drei Mal pro Woche auf und halten über mehrere Monate an, sollte man einen Besuch im Schlaflabor erwägen, um Ursachen zu erkennen und die Krankheit zu behandeln. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Beitrag am kommenden Samstag hier im Nortex-Journal.