„Sie schickt ja der Himmel!“

Was Christopher Nebus als Pannenhelfer des ADAC Schleswig-Holstein erlebt

Neumünster. Hermann Randau will eigentlich nur den Kilometerstand ablesen. Deshalb geht der Rentner aus Neumünster in seine Garage, öffnet den Golf und – kann den Wagen weder starten noch geht die Beleuchtung an. Ein Fall für den Gelben Engel des ADAC, der wenig Zeit später in der Person von Christopher Nebus vor Ort ist: Der junge Kfz-Mechaniker findet schnell den Fehler – die Parkleuchte war in der Vornacht angeblieben, hatte die Batterie völlig leergesaugt. Nach dem Austausch sagt Randau: „Gott sei Dank, dass wir die Gelben Engel vom ADAC haben!“

Einsätze wie dieser gehören zum Standard, sind Alltag für Nebus – neben der Reifenpanne und dem „abgesoffenen Motor“, also unverbranntem Treibstoff in den Zylindern. „Ich sehe mich als Helfer aus Leidenschaft“, sagt er während der Fahrt im gelben VW Touran. Es geht schon wieder zum nächsten Einsatz, diesmal im Raum Pinneberg. Pro Tag fährt er im Schnitt 300 Kilometer auf Schleswig-Holsteins Straßen.

Seit er sechs Jahre alt ist, habe er Pannenhelfer werden wollen, erzählt Nebus auf der Fahrt. „Damals hatte ich ein Schlüsselerlebnis, als wir mit dem Familienauto im Urlaub liegengeblieben sind. Meine Eltern waren im ADAC, und es hat mich geprägt, dass da jemand gekommen ist und in 20 Minuten unser Auto wieder zum Laufen brachte – ohne besonders großen Aufwand.“

Türschloss geöffnet, Kind befreit

Den herzlichsten Dank, schildert er, bekommt er meist von älteren Fahrzeughaltern. Allgemein achten die Pannenhelfer schon sehr auf das Mitmenschliche – etwa, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden und schon Kaffee und Kuchen auf dem Wohnzimmertisch bereitstehen. „Manchmal merkt man schon, wie einsam manche Kunden sind – und wie sehr sie sich über ein Gespräch freuen“, sagt Nebus nachdenklich. Er entzieht sich dann nicht, nimmt sich schon mal die Zeit für ein Gespräch an der offenen Motorhaube. Und fühlt: sein Gegenüber braucht das.

Er selbst kann auch gut erzählen – etwa von Einsätzen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind: Es war in einem Sommer, als sich ein kleines Kind in praller Sonne im Auto eingeschlossen hatte. „Beim Spielen war es wohl auf die Zentralverriegelung gekommen“, vermutet Nebus. Der Zündschlüssel war ebenfalls eingeschlossen, die verzweifelte Mutter kam nicht zu ihrem Kind – und geriet mehr und mehr in Panik. Nebus hatte den Wagen nach einer Minute geöffnet, „zerstörungsfrei“, betont er. Aber was ihm eigentlich im Gedächtnis blieb, war der Moment, als die Frau ihm in Tränen aufgelöst um den Hals fiel. „So etwas vergisst man nicht“, sagt der Gelbe Engel.

„So richtig Routine wird es nie“

Ähnlich war die Situation, in der ein junger Berner-Senn-Hund sich eingeschlossen hatte. „Auch hier hatte ich das Türschloss in kurzer Zeit geöffnet, wieder ohne Schaden am Fahrzeug“, sagt Nebus vergnügt. „Dann sprang mir der schwarz-weiße Welpe in die Arme, und ich als Hundefreund freute mich einfach. Die Besitzerin fragte dann, ob sie ein Foto machen dürfe, das hat sie mir dann später auch geschickt.“

Ab und zu falle nach einem Einsatz auch schon einmal der Satz: „Ach, Sie schickt ja der Himmel!“ Solche Dankbarkeit wertet die eigene Arbeit auf, findet Nebus. Aber auch gegenseitige Geduld und Kulanz sind Werte, die für ihn zählen. Auch in Bezug auf seinen Arbeitgeber: „Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt – das ist uns, neben der fachlichen Kompetenz, sehr wichtig!“ Ein Fazit nach acht Jahren im Beruf? „So richtig Routine wird es nie – darf es auch nicht werden. Das wäre gefährlich.“