Radeln zur Rapsblüte

Schleswig-Holstein, ein ideales Radfahrer-Land? ADFC-Experte Kurt Feldmann-Jäger nennt aktuelle Fahrrad-Trends, gibt Tipps zu besonders schönen Tagestouren – und sagt, wo die Infrastruktur hierzulande noch verbesserbar ist.

Neumünster. Die Arbeit ist getan – jetzt lebt er seine Leidenschaft: Kurt Feldmann-Jäger ist als passionierter Radfahrer gern und oft unterwegs zwischen Nord- und Ostsee. Privat unternimmt er nicht nur gemütliche Tagestouren durch die Natur, sondern sprintet auch mal auf dem Rennrad über den Asphalt. Als Experte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, kurz ADFC, weiß der Neumünsteraner zudem, wo Infrastruktur und Unterhalt des Radwegenetzes verbessert werden sollten.

„Wir haben das Meer, die Geest und die wunderbare Hügellandschaft“, zählt Feldmann-Jäger auf. Er ist begeistert vom Radfahrer-Land Schleswig-Holstein: „Es gibt viele Knicks, aber auch weite Ausblicke – hervorragend, wie abwechslungsreich unser Land ist!“, schwärmt er und nennt etwa den idyllischen Ostseeküsten-Radwanderweg, der von Flensburg bis Lübeck führt. Hier bietet sich jetzt im Frühsommer das typische Landschaftsbild, für das der Norden bekannt ist: Gelbe Rapsfelder, dunkelblaue Fjorde und ein heller, schier grenzenloser Himmel.

Gelbe Blütenpracht: Ein Rapsfeld am Feldwegrand im Norden.

Hauptsache, es macht Spaß!

Auch im Westen gibt es eine herrliche Route an der Nordseeküste entlang. Dass es hierzulande flacher ist als anderswo, sei für Radfahrer ein echter Vorteil; statt quälende Höhenmeter zu erklimmen, müssen die allerdings häufig mit kräftigem Gegenwind zurecht kommen. Dafür hat Feldmann-Jäger ein paar Tipps parat: „Möglichst wenig Angriffsfläche bieten, in einen kleineren Gang schalten – und nicht verbissen sein: Bei starkem Wind verkürzt man die Strecke eben ein wenig. Die Hauptsache ist doch, dass es Spaß macht.“

Wer nach dieser Devise fährt, braucht drei bis vier Tage, um den echten Norden einmal zu durchqueren, etwa auf dem historischen Ochsenweg durch die Landesmitte. Aber das ist kein Muss: auch der Mönchsweg von Fehmarn bis Bremen bietet interessante Details. „Ich freue mich immer, den Wind um die Ohren zu spüren“, sagt der 67-jährige pensionierte Sozialökonom, der von Neumünster aus schon viele Strecken gefahren ist. „Und ich kann auch gut dabei abschalten, sowohl beim Tourenradeln als auch beim Rennradfahren, einzeln und in der Gruppe.“

Mehr naturnahe Radwege gefordert

Doch es gibt auch Herausforderungen, vor denen die Radfahrer im Norden stehen. Feldmann-Jäger leitet den ADFC-Verein in Neumünster, er weiß, wo der Schuh drückt: „Die Infrastruktur für den Radverkehr muss sich deutlich verbessern“, fordert er. In der Fläche seien Radwege häufig direkt neben Schnellstraßen angelegt worden – die Radfahrer wollten aber nicht kilometerweit an Bundestraßen mit lärmendem Auto- und LKW-Verkehr entlangfahren, „sondern lieber auf einzeln durch die Landschaft geführten Radwegen unterwegs sein.“ Dazu könnten etwa vorhandene Wirtschaftswegen umfunktioniert werden.

Im Rahmen einer Radverkehrs-Strategie wolle das Land sowohl Strecken für Rad fahrende Schüler und Berufspendler als auch den Radtourismus fördern, erläutert der Experte. Er hält Radschnellwege wie die 2019 in Kiel eingeweihte „Veloroute 10“ für dringend erforderlich, beim Radtourismus sieht er besonders im Binnenland Nachholbedarf. Die Pflege und Weiterentwicklung des Angebots könnte eine neu zu gründende Institution wahrnehmen, schlägt er vor: „Man muss es nur wollen, planen und dann machen – Geld hat der Bund genug bereitgestellt.“

Gut fürs Klima: Immer mehr E-Bikes im Norden

Zukunftsorientiert wäre der Schritt sicherlich. Denn: Je mehr Menschen auf dem Fahrrad unterwegs sind, desto besser, findet der Pensionär. Deshalb ist es ihm wichtig, vor allem diejenigen zu begeistern, die bislang kein Fahrrad fahren.  Der Klimawandel lasse sich nur dann bekämpfen, wenn es eine Verkehrswende gebe – und dazu müsse der Radfahranteil deutlich erhöht werden: „Es geht darum, dass viel mehr Menschen als bisher kurze Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Da kann jeder mit einfachen Mitteln seinen persönlichen Beitrag leisten.“

Immer mehr Menschen kauften sich ein E-Bike, so Feldmann-Jäger. Die Technik der Zweiräder hält er für ausgereift: Per Akku unterstützt ein Elektromotor das Vorankommen. Wer will, tritt zusätzlich noch in die Pedale, das Fahren strengt weniger an. „Das macht schon einen Unterschied aus“, bestätigt der Fachmann. Viele Menschen, die das Radfahren irgendwann aufgegeben hatten, fänden so wieder zurück auf den Fahrradsattel. Mittlerweile sei auch das Aufladen des Akkus vielerorts möglich.

Infos zum ADFC

Der ADFC bietet in Kooperation mit weiteren Anbietern Radreisen entlang zahlreicher Strecken im Norden an. Das Angebot „Radurlaub auf Rezept“ sind speziell dazu ausgelegt, Gesundheit, Fitness und soziale Kontakte der Teilnehmer zu fördern, sie werden teils von der Krankenkasse bezuschusst. Mehr Informationen dazu finden sich im Internet auf www.adfc-sh.de.