Den Ahnen auf der Spur

Christopher Kautz erforscht im Kirchenkreisarchiv seinen Familienstammbaum

Seit 2009 recherchiert Christopher Kautz im Archiv des Kirchenkreis Altholstein Leben und Tod seiner Vorfahren. In Kirchenbüchern entdeckte er rund 1000 Verwandte, die bis zu 400 Jahre in der Vergangenheit lebten.

Neumünster. Rund 400 Jahre in die Vergangenheit hat der 31-jährige Küchenmonteur aus Neumünster seinen Familienstammbaum erforscht – und dabei rund 1000 Menschen zwischen Sachsen-Anhalt und den USA ausfindig gemacht, die mit ihm verwandt sind.

Die Ursache für Kautz‘ Interesse an der Historie der eigenen Familie bildet ein trauriger Anlass: Vor elf Jahren war seine Mutter verstorben. „Es war ein plötzlicher Tod und ein herber Schlag für die ganze Familie“, erinnert er sich. Damals habe er das Familienstammbuch mütterlicherseits erhalten. „Ich blätterte es durch. Wahrscheinlich wollte ich mich damit etwas ablenken.“

Es war der Grundstein eines privaten Forschungsprojekts, das vor zehn Jahren begann und bis heute andauert. Er sammelte Fotos, Urkunden, Texte – alles, was von den Verwandten aufgehoben worden war. Die Bilder und Dokumente hat er digital umgewandelt, sorgfältig in einem Index erfasst, die Originale verwahrt er wie einen Schatz in eigens säurefreien Archivhüllen.

Irgendwann hatte er alles, was die Familie selbst zu bieten hatte, vollständig erforscht. Kautz: „Seit Anfang 2018 besuche ich deshalb regelmäßig das Archiv des Kirchenkreises Altholstein, um unsere Familiengeschichte auch aus der Zeit nachzuvollziehen, aus der keiner bei uns mehr etwas zu berichten weiß.“

Dazu sitzt er oft stundenlang an einem der Leseplätze im Archiv, stöbert durch die auf Mikrofilm übertragenen Kirchenbücher. Die Originale liegen nur ein paar Meter entfernt klimatisiert und gut gesichert in großen Rollregalen.

Hinweise in uralter Schrift

Es sind jahrhundertealte, eng beschriebene und kostbare Dokumente. „Wenn man lange genug forscht, findet man wahrscheinlich noch weitere Quellen“, sagt Archivleiterin Sybille Radtke-Kaak. Zu Beginn einer solchen Zeitreise seien das auch noch lebende Zeitzeugen. Die Archivarin streift weiße Handschuhe über, bevor sie ein Buch aufschlägt. Die Einträge darin, etwa das Datum einer Kindertaufe und die meist mehreren Vornamen des Kindes, sind eine Fundgrube für Ahnenforscher.

Und die Grundlage akribischer Detektivarbeit: Kautz gleicht die Informationen mit früheren Einträgen ab, beispielsweise der Trauung der Eltern. Fand diese in einem anderen Ort oder Kirchspiel statt, lässt das Rückschlüsse auf einen Umzug oder eine Veränderung im beruflichen Werdegang seiner Vorfahren zu. Werden in den Kirchenbüchern Bestattungen erwähnt, findet sich teils auch die Ursache, woran die Menschen verstarben.
Er stieß bei seinen Nachforschungen auch auf Schicksale, die die damalige Gesellschaft widerspiegeln. Ein Teil seiner Vorfahren zählte etwa zu den „Insten“, so hießen Tagelöhner im 18. Jahrhundert, die auf Gutshöfen lebten und vor allem Naturalien und Unterkunft für ihre schwere Arbeit erhielten. Teils, so Kautz, wurden die „Insten“ nach wenigen Jahren wieder fortgeschickt, damit sie kein Heimatrecht erhielten – und die Gemeinde dann später nicht für sie sorgen musste.

Warum macht er das? „Es gibt manche Sachen, bei denen möchte ich, dass sie eine gewisse Zeitlang überdauern.“ So erhielt er nach intensiver Recherche ein Bild seiner Urgroßeltern – für ihn hat es einen großen Liebhaberwert. Kautz: „Ich versuche, das Bild der Familie zu erhalten.“

Der Bericht wurde zuerst bei der Evangelischen Zeitung veröffentlicht. Weitere Infos zum Archiv am Kantplatz finden sich im Internet auf www.kirchenkreis-altholstein.de.